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Birgit Finta

Birgit Finta

Deine Haustierfotografin
Von der Fotoidee zum fertigen Bild an deiner Wand!

Schein oder Sein?

Kennst du das? Du hörst manchmal etwas – vielleicht ganz beiläufig – und sofort beginnt es in deinem Kopf zu rattern. Bei mir war das letztens der Fall.

Eine wirklich interessante Podcast-Folge mit der Fotografin Erin Sullivan hat mich sehr zum Nachdenken gebracht.
Nachzudenken über Schein und Sein in unserer Haustierfotografie. Oder genauer gesagt – der Pferdefotografie.

Ich bin ja nun schon einige Jahre in der privaten Pferdefotografie unterwegs. Und es hat sich ein – ich nenn es mal – Procedere etabliert wie eine solche Fotosession abläuft. Jetzt mal abgesehen von den organisatorischen Dingen wie z. B. Terminvereinbarung. Nein, ich meine damit das Procedere rund um das Pferd. Sogar einen schriftlichen Leitfaden hatte ich in der Vergangenheit erstellt – für den Pferdebesitzer – um ihn zu informieren wie er bitte das Pferd vorbereiten soll für unsere Session. 

Angefangen von peinlichstem Saubermachen des Fells, über Schmutzflecken mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen , ach nein – weißt du was – bitte wasch doch gleich das ganze Pferd. Und wenn schon nicht das ganze Pferd, dann doch zumindest die Mähne und den Schweif. (oh wenn du schon so fragst: ja,  Ondulieren wär auch nett damit die Mähne schön wellig fällt *lach* – ist nur ein Scherz!). Und probier auf jeden Fall dieses und dieses und jenes Mittel um einen gelben Schweif wieder auf ins Weiße zu verwandeln.
Und um Gottes Willen nicht vergessen jede Menge Feuchttücher mitzunehmen um die Augen und die Nase von kleinsten, feinsten Schmutzkörnchen zu befreien. 

Ja, wir Menschen sind „Reinlichkeitstiere“ und wollen uns vor der Kamera immer und auf jeden Fall von unserer schönsten Seite präsentieren. Und genau von diesem Gedanken gehen wir auch bei unseren Pferden aus wenn wir sie fotografiert haben wollen. 
Ein makelloses, wunderschönes Pferd wollen wir an der Wand haben – und irgendwo muss sich das doch unter dieser verdammten Schlammkruste verstecken….aaahhhh…..aber wo nur!!!???……kratz, schrubber, scher….. 😀 

Ja, zugegeben, das Ergebnis ist dann wirklich wunderschön. Blütenrein! Strahlend! Bezaubernd! 

Doch muss es das wirklich immer sein? Wie heißt ein Ausspruch so schön „Nur ein schmutziges Pferd ist ein glückliches Pferd“

Gut – zum Glücklichsein gehört viel mehr dazu als nur Schmutz am Körper – keine Frage – aber die Aussage impliziert, dass sich das Pferd zumindest hinlegt/hinlegen kann – und ein liegendes Pferd (abgesehen davon wenn es krank ist) ist ein ausgeglichenes, zufriedenes….ein Pferd, das sich sicher fühlt.

Warum reicht es uns dann nicht unsere Pferde so abzubilden wie sie sind? Wie wir sie tagtäglich sehen wenn wir in den Stall kommen?

  • Den Schopf und die Mähne gespickt mit Heu (weil das Heu soooo lecker ist, dass man am besten seinen ganzen Kopf darin vergräbt um ja auch die allerbesten Stängel zu erwischen)
  • Das Fell am Widerrist verwuschelt und leicht verklebt (weil man mit dem besten Freund oder der besten Freundin heute mal wieder ausgiebig fellgekrault hat)
  • Die Flanke und der Kopf gelblich eingefärbt (weil man es genossen hat sich ausgiebig zur Ruhe zu begeben und sich seitlich komplett abzulegen. (Blöd, dass ausgerechnet dort ein schöner großer Sch….haufen lag. *lach* Aber egal, das stört doch Pferd nicht!!)
  • Die Augenwinkel leicht tränennass (weil der Wind heute wieder sehr stark war, aber es nichts Schöneres gibt als mit der Nase im Wind zu stehen und die hunderten Gerüche der Umgebung wahrzunehmen und aufzunehmen)

Ich kenne viele Pferdebesitzer – aber ich kenne genau nur 2, die lieber „echte“ Fotos von ihren Pferden haben als die gestellten, „gepimpten“. 

Und wie stehe ich selbst dazu? 
Ich muss gestehen – ich bin zwiegespalten. Ja, ich hab eine mega Freude an Fotos von meinem Buben in „gestylter Aufmachung“ in edler Pose. Aber ich liebe auch jedes einzelne Foto von ihm das ihn in seiner „tagtäglichen Aufmachung“ zeigt. Und es hängen solche Fotos von ihm auch an meinen Wänden.

Und weil ich es grad angesprochen habe – auch die edle Pose ist so ein Thema, das ich jetzt und hier gern mal hinterfragen möchte. Mit viel Hilfsmittel und Tricks werden Hälse lang gemacht um sie schlanker und edler wirken zu lassen, wird versucht das Pferd in eine bestimmte Richtung schauen zu lassen um den Körper bestmöglich zu formen und betonen, oder auch darauf geachtet dass die Augen weit und offen sind. Es soll höchstmöglich aufgerichtet und erhaben dastehen – die Beine wenn möglich schön geschlossen oder gar genau so einzeln platziert wie der Fotograf das gerne hätte weil genau das dann am Foto genial aussieht. 

Aber hat es denn nicht auch seinen wundervollen Zauber eine Pferd in seiner natürlichen Erhabenheit abzubilden?

  • Ja, der Hals ist vielleicht kurz und eher dicklich
  • Ja, die Beine stehen kreuz und quer – aber er/sie steht ja immer so
  • Ja, dein Pferd schaut mal hierhin und in der nächsten Sekunde mal dorthin – wo es die Aufmerksamkeit halt grad hinzieht
  • Ja, dein Pferd steht mit leicht hängendem Kopf und Ohren auf Halbmast da – weil es nun mal wunderbar entspannt und losgelassen ist

Wie bezaubernd kann es zum Beispiel auch sein, sein Pferd im Kreise seiner Freunde, seiner Familie (und damit meine ich die 4-beinige, nicht die 2-beinige *lach*) abgebildet zu sehen? Sein tägliches Sein, seine Energie, seine Ruhe und seine Entspanntheit.

Strahlt diese Ruhe und Entspanntheit der Bilder (die oftmals gar nicht gegeben ist wenn das Pferd platziert wird, ja oft sogar manchmal das Gegenteil von entspannt ist) dann nicht auch ein kleines Bisschen auf uns Pferdebesitzer ab wenn wir das Foto täglich im Vorbeigehen an der Wand anschauen? 

Als Fotografin liebe ich es Zeit in einer Herde zu verbringen. Zu beobachten, wahrzunehmen, Momente einzufangen.

Einfach auch nur mal still zu sitzen, zu fühlen, und zu warten bis der richtige Moment kommt die Kamera hochzunehmen um das wahre Sein des Pferdes festzuhalten.

Dieses wundervolle Gefühl durfte ich vor Kurzem erst wieder erleben. Eine kurze Slideshow davon möchte ich dir gerne zeigen.

Und deine Meinung zum Thema „Schein oder Sein“ würde mich wahnsinnig interessieren!!

Die Musik zu meiner Slideshow darf ich mit freundlichster Genehmigung von Catfish Records verwenden. Schaut gern auf ihre Spotify-Playlist. Wunderschöne Klaviermusik! https://open.spotify.com/user/figgebass/playlist/6ScwUeMKLtIgT9a84on1hL?si=sDJM-GbSTV-ycG_727q4bA

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Danke liebe Birgit wie du diese wundervolle Herde genauso wie sie ist -verschrubbelt -freundlich- natürlich und in der Unperfektheit so berührend wunderschön in Fotos festgehalten hast.Grosses Können.Und Herz berührend.

    1. Ich dank dir liebe Sara für deine lieben Worte. Deine Worte fassen meine Bilder textlich super zusammen – verschrubbelt, freundlich, natürlich. Das ist sie – absolut! Und dann würde ich noch kraftvoll und harmonisch hinzufügen. Freu mich schon auf meinen nächsten Besuch bei euch.

  2. Liebe Birgit, vielen herzlichen Dank für diese Bilder die mich so mit Stolz und Freude füllen! Deine Bilder spiegeln diese wunderbare Herde genau so wieder wie wir sie tagtäglich erleben dürfen. Natürlich, harmonisch, kraftvoll, geeint, empathisch, frei, geredet und friedvoll. Ich sehe diese Herde als Geschenk und sie lässt mich jedes Mal aufs neue erkennen was wirklich wichtig ist. Danke von Herzen fürs festhalten. Es ist dir wunderbar gelungen.

    1. Hallo liebe Nicole!
      Vielen, vielen Dank für dieses wundervolle Kompliment zu meinen Fotos.
      Ich könnte keinem einzigen deiner diese Herde beschreibenden Worte widersprechen. Sie treffen alle so absolut zu. Wenn man den Ausspruch hernimmt „So wie der Herr – so das G’scherr“ bin ich versucht zu sagen – nein – wage ich zu behaupten – eine Herde spiegelt immer den Stallbesitzer bzw. Stallbetreiber wieder.

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